Afghanistan und die Medien

Die deutschen Medien des Mainstreams verbreiten beim Thema Afghanistan drei wesentliche Narrative:

  1. Der „Sieg“ der Taliban und die „Niederlage“ des Westens und der afghanischen Armee.
  2. Die heldenhaften Leistungen des Joe Biden bei der „Evakuierung“.
  3. Ahnungslosigkeit und wilde Spekulation was schief gelaufen sein könnte.

Um diesen Artikel nicht unnötig lang werden zu lassen: Der Abzug aller amerikanischen Truppen und die Machtübergabe an die Taliban wurde am 29. Februar 2020 vereinbart. Es gibt derzeit also weder einen „Sieg“ noch eine „Niederlage“ zu beobachten, sondern im Gegenteil, die Ausführung vertraglich vereinbarter Schritte. Die besagte Vereinbarung [pdf] ist auf den Seiten des U.S. Department of State (state.gov) frei einsehbar und trägt den unhandlichen (aber eindeutigen) Titel:

In dem Dokument [pdf] wird der Abzug der Truppen klar geregelt. So heißt es:

Gemäß der Vereinbarung werden zunächst also die Truppen von 5 Militärbasen (A) und dann schließlich alle Truppen von allen Militärbasen vollständig abgezogen (B).

Die zukünftige Beziehung zwischen der USA zu dem „Islamic Emirate of Afghanistan“, wird im letzten Teil des Dokumentes beschrieben:

Es sollen „positive Beziehungen“ zwischen der neuen Regierung aufgebaut und eine „wirtschaftliche Kooperation“ angestrebt werden. Diese Vereinbarung zwischen den USA und den Taliban ist letzten Endes auch der einfache Grund, warum die afghanische Armee mit samt der alten Regierung kampflos (aber vereinbarungsgemäß) das Feld geräumt hat. Keine sonderlich schwierig zu verstehende Situation – eigentlich. Doch glauben soll die Öffentlichkeit augenscheinlich etwas anderes.

Beispielhaft hat sich ein regionales Blatt, dass immer mal wieder auch „interessantes“ über den Autokorso zu schreiben wußte, des Themas angenommen. Angeblich suchen Nato-Staaten noch nach Erklärungen für die Geschehnisse und sogar eine „Kapitulation“ habe es gegeben:

Quelle: Badische Zeitung (BZ)

Die Kanzlerin – offiziell natürlich ebenfalls ahnungslos – gibt immerhin den vieldeutigen Nachsatz „warum auch immer“ mit auf den Weg:

Quelle: Badische Zeitung (BZ)

Eine Presseschau der wilden Spekulationen in den anderen „Qualitätsmedien“ und die „Erklärungsversuche“ des Bundesverteidigungsministeriums runden den Artikel ab: Könnte womöglich „unterschätzt worden sein, wie stark die Taliban in der schwer zugänglichen Provinz lokal verankert“ war?