Alles ganz leger in Freiburg

Die Proteste vom 12. Februar 2022 in Freiburg waren in vielfältiger Weise besonders. Es begann bereits im Vorfeld, indem die Stadt versuchte die Versammlung aus der Innenstadt heraus zu drängen. Zuvor waren in den Verhandlungen zwischen Veranstaltungsteam und der Stadt mehrere alternative Plätze im Gespräch. Die Intension von FreiSeinFreiburg den Aufzug wieder vom „Platz der alten Synagoge“ starten zu lassen wurde von der Versammlungsbehörde aber abgelehnt. Hiergegen wurde vor dem Verwaltungsgericht Klage erhoben, welches im Eilverfahren dem Veranstalter Recht gab. Es bestätigte damit die bestehende klare Rechtslage bezüglich der Wahl des Versammlungsortes. Nach dem Willen der Stadt hätte die Versammlung in den Stühlinger ausweichen sollen. Als Begründung für diesen Schritt nannte die Stadt unter anderem eine Beeinträchtigung der Händler und des Verkehrs. Unabhängig von der klaren rechtlichen Lage war dies nach Einschätzung des Veranstalters allerdings ein Vorwand um die Proteste aus der Innenstadt zu drängen und deren Wahrnehmbarkeit einzuschränken: Der Handel sei vor allem durch 2G, 3G und Lockdowns beeinträchtigt und die Demo bringe regelmäßig auch mehrere tausend potentielle Kunden zusätzlich in die Freiburger Innenstadt.

Cafe Légère: „Wir müssen draußen bleiben!“

Ein mediales Nachspiel hatte die Aktion eines Cafes, welches am Tag der Veranstaltung ein ausladendes Schild für Ungeimpfte mit einem Wassernapf aufstellte und dieses über das eigene Profil in den sozialen Medien teilte. Das Foto und der Hinweis damit ein „Statement“ zu setzen erntete Beifall von den üblichen Gruppierungen aber zog augenscheinlich überwiegend negative Reaktionen und einen „Shitstorm“ nach sich. Kommentare sprachen von einer neuen Stufe der Menschenverachtung. Über Messenger und soziale Medien gewann die Aktion schnell auch überregionale Bekanntheit.

Insgesamt strömten bei gutem Wetter mehr als 4.000 Menschen zur Veranstaltung. Einige Teilnehmer waren im Vorfeld durch den unklaren Versammlungsort abgesprungen oder hatten sich gar zum falschen Ort im Stühlinger begeben, der von der regionalen Presse vorschnell verbreitet worden war.

Ein neues Format der Gegenseite ist der Zirkus von Direktor Müller. In diesem präsentieren sich meist schwarz gekleidete Akrobaten und gehen der Schaustellerkunst nach.

Auftritt der Akrobatengruppe „Fliegende Stinkefinger“

Es folgen weitere Eindrücke von den Reihen der Gegenseite, die sich in kleinen Gruppen an verschiedenen Punkten der Strecke positionierte und im Wesentlichen das bekannte Nazi-Narrativ pflegte. Für aufmerksame Augen versteckt: Stinkefinger und Bierdose. Bei mindestens einer Gelegenheit wurde der Aufzug blockiert.

Unterstützung hatte der regierungskonforme Teil der Antifa diesmal von Queen Elizabeth II. Die Gruppierung möchte zwar jeden impfen („wir impfen euch alle“) aber Tausende nicht dagegen protestieren lassen, sofern sich ihrer Meinung nach ein Nazi darunter befindet.

Fotos: zukunft-fr.de